Wärmepreis vergleichen: Holz gegen Gas, Wärmepumpe und Strom

Warum Gas- und Holzpreise wegen der Hs/Hu-Falle nicht direkt vergleichbar sind und wie die Normierung auf Nutzwärme im Wärmepreis-Vergleich funktioniert.

Holz, Gas, Wärmepumpe und Strom lassen sich erst vergleichen, wenn alle Kosten auf dieselbe gelieferte Nutzwärme bezogen sind. Der Brennstoffpreis allein reicht nicht: Er trifft auf unterschiedliche Energieangaben, Umwandlungsverluste und bei der Wärmepumpe auf die Jahresarbeitszahl. Der Wärmepreis-Vergleich führt diese Größen in Cent je Kilowattstunde Nutzwärme zusammen.

Warum der Einkaufspreis nicht genügt

Scheitholz wird häufig je Raummeter angeboten, Briketts und Pellets je Kilogramm, Gas und Strom je Kilowattstunde. Schon die Verkaufseinheiten sind also verschieden. Selbst nach einer Umrechnung auf Kilowattstunden wäre der Vergleich noch nicht fertig: Nicht jede eingekaufte Kilowattstunde wird im Raum oder Heizsystem als Wärme nutzbar.

Bei einer Feuerung bildet der Nutzungsgrad diese Differenz ab. Er setzt die abgegebene Nutzwärme ins Verhältnis zur eingesetzten Brennstoffenergie. Bei einer Wärmepumpe beschreibt die JAZ das Verhältnis von abgegebener Wärme zu aufgenommenem Strom über einen längeren Betrachtungszeitraum. Der gemeinsame Nenner ist damit nicht die gekaufte Energie, sondern die nutzbare Wärme.

Die Hs/Hu-Falle bei Gas und Holz

Hinzu kommt eine zweite Bezugsfrage. Gasabrechnungen verwenden den Brennwert Hs. Er berücksichtigt auch die Wärme, die beim Kondensieren des Wasserdampfs freiwerden kann. Holz-Heizwerttabellen arbeiten üblicherweise mit dem Heizwert Hu, also ohne diese Kondensationswärme.

Wer einen Gaspreis je kWh Hs unmittelbar einem Holzpreis je kWh Hu gegenüberstellt, vergleicht unterschiedliche Energiebezugsgrößen. Eine pauschale Umrechnung auf nur eine der beiden Größen ist für den Kostenvergleich nicht erforderlich. Entscheidend ist, dass Preis und Nutzungsgrad jedes Systems dieselbe Basis verwenden: Gaspreis und Gas-Nutzungsgrad auf Hs, Holz-Heizwert und Nutzungsgrad der Holzfeuerung auf Hu. Anschließend werden beide auf Nutzwärme normiert.

Beim Gas-Nutzungsgrad lohnt ein genauer Blick ins Datenblatt. Angaben über 100 Prozent beziehen sich auf Hu. Für einen Hs-basierten Gaspreis muss auch der Nutzungsgrad Hs-basiert sein. Der Rechner begrenzt die Eingabe entsprechend und warnt bei einem auffällig hohen Wert, damit kein Hu-Wert unbemerkt als Hs-Wert behandelt wird.

So entsteht ein gemeinsamer Wärmepreis

Der Wärmepreis beantwortet die Frage: Wie viele Cent kostet eine Kilowattstunde Wärme nach der Umwandlung? Für Brennstoffe lautet das Grundmodell:

Wärmepreis in ct/kWh Nutzwärme = Energiepreis in ct/kWh ÷ Nutzungsgrad

Bei Scheitholz muss der Rechner den Preis je Raummeter zunächst auf die darin enthaltene Energie umlegen. Dafür berücksichtigt er Holzart, Wassergehalt, Masse je Raummeter und Heizwert. Für Briketts und Pellets reicht der Preis je Kilogramm zusammen mit dem Heizwert je Kilogramm. Danach wird jeweils durch den eingegebenen Nutzungsgrad geteilt.

Gas startet beim eigenen Arbeitspreis je kWh Hs. Falls deine Unterlagen nur einen Zählerstand in Kubikmetern zeigen, kannst du ihn mit dem Gasverbrauch-Rechner von EnergyTools anhand von Brennwert und Zustandszahl in Kilowattstunden umrechnen. Der Wärmepreis-Rechner baut diese Gasumrechnung nicht nach, sondern übernimmt den Preis als Eingabe.

Wärmepumpe und Direktstrom richtig einordnen

Bei der Wärmepumpe ersetzt die JAZ den Nutzungsgrad in der Preisformel:

Wärmepreis = Strompreis ÷ JAZ

Eine JAZ beschreibt, wie viel Wärme die Anlage im Verhältnis zum eingesetzten Strom liefert. Nutze nach Möglichkeit einen Wert aus der eigenen Verbrauchsauswertung statt einer allgemeinen Geräteangabe. Mit dem Wärmepumpen-Rechner von EnergyTools kannst du Strombedarf und Kosten aus Wärmebedarf, JAZ und Strompreis getrennt nachvollziehen.

Eine elektrische Direktheizung wird im Vergleich mit direkter Umwandlung geführt. Ihr eingegebener Strompreis entspricht daher im Modell dem Wärmepreis. Der Stromkosten-Rechner von EnergyTools hat einen anderen Schwerpunkt: Er berechnet Verbrauch und Kosten eines einzelnen Geräts aus Leistung und Laufzeit. Er hilft bei der Kontrolle des Strompreises, ersetzt aber keinen Heizsystemvergleich.

Vom Ergebnis zur belastbaren Entscheidung

Der kleinste Wert im Rechner ist nur innerhalb deiner Eingaben der günstigste. Ändere zuerst jene Größen, die du nicht sicher kennst. Beim Holz sind das häufig Wassergehalt und Nutzungsgrad; bei Gas der korrekt bezogene Nutzungsgrad; bei der Wärmepumpe die JAZ. So erkennst du, ob die Rangfolge stabil bleibt oder schon bei einer plausiblen Änderung kippt.

Für die gesamte Heizkostenbetrachtung fehlen im reinen Arbeitspreisvergleich weitere Positionen. Grundpreise, Wartung, Hilfsstrom, Lagerung, Anschaffung und Finanzierung werden nicht vollständig erfasst. Auch der Wärmebedarf des Gebäudes verändert nicht den Preis je kWh, wohl aber die jährliche Rechnung. Den Zusammenhang zwischen Nutzenergie, Endenergie und Jahreskosten zeigt der Heizkostenrechner von EnergyTools.

Ein Rechenbeispiel bleibt ein Beispiel

Alle Preis-Vorbelegungen im Wärmepreis-Rechner sind frei gewählte Rechenwerte. Sie sind weder Marktbeobachtung noch Tarifempfehlung und bilden keinen Durchschnitt für Deutschland, Österreich oder die Schweiz ab. Trage den Preis aus einem konkreten Holzangebot, einer Abrechnung oder deinem Stromtarif ein.

Dasselbe gilt für technische Eingaben. Heizwerte von Briketts und Pellets sollten von Verpackung oder Lieferschein kommen. Nutzungsgrade stammen möglichst aus belastbaren Unterlagen zur Anlage; für die JAZ ist ein Wert aus dem realen Betrieb aussagekräftiger als eine bloße Planungsannahme. Fehlt ein Preis, darf eine Null im Ergebnis nicht als kostenloses Heizen gelesen werden.

Schritt für Schritt zum eigenen Vergleich

  1. Sammle konkrete Preise aus Angeboten, Abrechnungen und Tarifen.
  2. Prüfe bei Gas, ob Preis und Nutzungsgrad auf Hs bezogen sind.
  3. Übernimm Heizwerte für Briketts und Pellets aus den Produktunterlagen.
  4. Trage Nutzungsgrade und JAZ aus passenden Anlagenunterlagen ein.
  5. Vergleiche die Ergebnisse in ct/kWh Nutzwärme und teste unsichere Eingaben mit mehreren plausiblen Werten.

Damit beantwortet der Rechner die Kostenfrage transparent, ohne einen Energieträger pauschal zum Gewinner zu erklären. Für Scheitholz liefert der Heizwert-Rechner den passenden Energieinhalt; wie feucht dein Holz noch ist, prüfst du am zuverlässigsten mit einem Feuchtemessgerät. Vor der Auswahl eines Ofens hilft außerdem der Ratgeber, die Kaminofen-Leistung sicher zu wählen. Die Entscheidung bleibt an deine Preise, deine Technik und den tatsächlichen Betrieb gebunden.

Quellen

  • Scheitholz – Maßeinheiten und Heizwert

    Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ)PrimärquelleStützt Raummaß-, Wassergehalts- und Heizwertbezug für Scheitholz.Abruf: 30.08.2026

  • Wärmepumpen funktionieren auch in Bestandsgebäuden zuverlässig

    Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISEFachliteraturStützt die Verwendung der Jahresarbeitszahl als Verhältnis abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom. Alle Preise und Wirkungsgrade im Vergleich sind veränderliche Nutzereingaben oder Szenarien.Abruf: 30.08.2026