Jahresbedarf an Brennholz richtig berechnen

Wohnfläche, Heizwärmebedarf und Nutzungsgrad des Ofens Schritt für Schritt zum Jahresbedarf verrechnen und in eine bestellbare Menge übersetzen.

Der Jahresbedarf an Brennholz entsteht in drei Schritten: Gebäudewärme bestimmen, Verluste des Feuerungsgeräts berücksichtigen und die nötige Energie in eine Holzmenge umrechnen. Wer direkt mit einer pauschalen Zahl von Raummetern beginnt, überspringt genau die Größen, die zwei Häuser voneinander unterscheiden.

1. Beheizte Wohnfläche festlegen

Ausgangspunkt ist die Fläche, die tatsächlich beheizt werden soll. Unbeheizte Keller, Garagen oder dauerhaft kalte Nebenräume gehören nicht automatisch dazu. Umgekehrt darf ein regelmäßig beheiztes Dachgeschoss nicht fehlen. Für eine Schätzung des gesamten Hauses setzt du die beheizte Wohnfläche an; für einen Teilbereich nur dessen Fläche.

Wichtig ist außerdem die Rolle der Holzfeuerung. Soll sie den ganzen rechnerischen Wärmebedarf decken, kann die vollständige Fläche in die Rechnung eingehen. Wird nur zeitweise mit Holz zugeheizt, muss die Eingabe den Holzanteil abbilden. Für diesen Anteil nennt die vorliegende Quellenbasis keine allgemeingültige Pauschale. Orientiere dich deshalb nach Möglichkeit an eigenen Verbrauchs- oder Betriebsdaten und dokumentiere deine Annahme.

2. Heizwärmebedarf einordnen

Der spezifische Heizwärmebedarf beschreibt, wie viele Kilowattstunden Wärme je Quadratmeter und Jahr das Gebäude benötigt. Ein belastbarer Wert für das eigene Haus ist aussagekräftiger als eine Gebäudeklasse. Als grobe Orientierung übernimmt der Rechner wortgleich den Help-Text des EnergyTools-Heizkostenrechners: „Grobe Richtwerte DACH 2026: unsanierter Altbau ca. 150–250, Neubau ca. 40–80 kWh/m².“

Die Bandbreiten zeigen, warum Wohnfläche allein nicht genügt. Zwei gleich große Häuser können wegen Dämmung, Luftdichtheit, Fenstern und Heizverhalten sehr unterschiedliche Wärmemengen benötigen. Verwende die Richtwerte daher nicht als scheinbar exakte Gebäudekennzahl.

Die Nutzenergie ergibt sich aus:

Nutzenergie = Wohnfläche × Heizwärmebedarf

Bei 90 m² und 130 kWh/m² pro Jahr sind das 11.700 kWh Nutzenergie. Dieser Wert bezeichnet die Wärme, die rechnerisch im Gebäude ankommen soll.

3. Nutzungsgrad des Feuerungsgeräts berücksichtigen

Nicht die gesamte Brennstoffenergie wird zu nutzbarer Raumwärme. Der Nutzungsgrad bildet die Verluste des Feuerungsgeräts als Faktor ab:

Endenergie = Nutzenergie ÷ Nutzungsgrad

Für einen Nutzungsgrad von 0,75 werden aus 11.700 kWh Nutzenergie 15.600 kWh Endenergie. Je kleiner der Nutzungsgrad, desto mehr Energie muss das Holz bereitstellen. Nutze möglichst einen Wert aus Datenblatt oder Schornsteinfegerprotokoll und achte darauf, dass er zur verwendeten Energiebasis passt.

Diese beiden Formelschritte sind wortgleich mit dem Nutzenergie-/Endenergie-Modell des EnergyTools-Heizkostenrechners. Die Seiten beantworten dennoch verschiedene Fragen: EnergyTools multipliziert die Endenergie mit einem Preis und liefert Heizkosten in Euro. Der HolzTools-Rechner für den Brennholz-Jahresbedarf ermittelt daraus eine physikalische Menge in Kilogramm, fm, rm und srm. Er ist kein Kostenrechner.

4. Energie in Holzmasse umrechnen

Für die Masse teilt das Modell die Endenergie durch den Heizwert des ausgewählten Holzes. Der Heizwert wird nicht als starre Zahl je Baumart eingesetzt, sondern aus Holzartengruppe und Wassergehalt abgeleitet. Wasser im Brennholz bindet beim Verdampfen Energie; deshalb gehört der Wassergehalt zur Rechnung.

Die Referenzwerte sind im Rechnerschema dokumentiert. Das LWF-Merkblatt 12 „Der Energieinhalt von Holz“, Stand November 2024, liefert die Grundlage für Heizwert, Verdampfungswärme und mehrere Raumdichten. Das LWF-Merkblatt 20 „Scheitholz – Produktion, Lagerung, Kennzahlen“, Stand Juli 2025, ergänzt weitere Raumdichtewerte. Laut Schema wurden diese Quellen am 18. August 2026 abgerufen. Darrdichten aus der AFZ-/Forstliches-Jahrbuch-Tabelle werden im aktuellen Modell nicht mehr als Hauptdichte verwendet; sie bleiben nur für die gekennzeichnete Erle-Näherung relevant.

Im Standardszenario mit Buche/Esche/Hainbuche und 20 Prozent Wassergehalt ergeben 15.600 kWh Endenergie rund 4.037 kg Holz. Das ist ein Rechenwert innerhalb des Modells, keine zugesicherte Liefer- oder Verbrauchsmenge.

5. Kilogramm in eine bestellbare Einheit übersetzen

Aus Masse und Raumdichte entsteht zunächst das reine Holzvolumen in Festmetern. Raummaßfaktoren übersetzen es anschließend in geschichtete Raummeter und lose Schüttraummeter. Das Standardszenario ergibt rund 5,79 fm, 8,27 rm oder 11,58 srm.

Der Jahresbedarfs-Rechner nutzt für Raummeter den pauschalen LWF-Faktor 0,7 fm/rm, weil seine Energie- und Gewichtskette damit gegen die publizierte LWF-Tabelle geprüft ist. Der reine Rechner für Brennholz-Maßeinheiten nutzt dagegen sortimentsscharfe TFZ-Werte, weil dort die Umrechnung zwischen Handelsmaßen im Vordergrund steht. Das ist kein austauschbarer Faktorensatz, sondern zwei getrennte Modelle für zwei Fragen. In einer echten Lieferung verändern Holzart, Scheitform, Scheitlänge, Schichtung und Hohlräume das Volumen. Deshalb solltest du Angebote erst auf dieselbe Einheit und dieselben Voraussetzungen bringen.

Ergebnis prüfen, bevor du bestellst

Vergleiche die Schätzung mit vorhandenen Verbrauchsdaten, sofern du bereits mit Holz geheizt hast. Große Abweichungen sind ein Anlass, Eingaben zu prüfen: Wurde die richtige beheizte Fläche verwendet? Passt der Heizwärmebedarf zum Gebäude? Deckt Holz die gesamte Heizlast oder nur einen Anteil? Stammt der Nutzungsgrad aus einer belastbaren Unterlage? Stimmen Holzart und Wassergehalt mit dem Angebot überein?

Auch ein sauber ausgefüllter Rechner bleibt ein Modell. Wetter, gewünschte Raumtemperatur, Lüftung, Anlagenzustand und individuelles Heizverhalten verändern den tatsächlichen Jahresverbrauch. Natürliche Streuungen bei Raumdichte und Heizwert sowie Unterschiede zwischen Referenzmaß und realem Stapel begrenzen zusätzlich die Genauigkeit der Volumenangaben. Plane daher nicht mit einer Scheingenauigkeit auf die letzte Nachkommastelle.

Quellen

  • Merkblatt 12 — Der Energieinhalt von Holz (Stand November 2024)

    Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)PrimärquelleTabelliert Heizwerte und Raumdichten je Baumart bei 0 % Wassergehalt und rechnet den Energieinhalt je Raummeter aus. Die Werte dieses Portals stammen aus genau dieser Tabelle.Abruf: 29.08.2026

  • Poster „Umrechnungsfaktoren verschiedener Raummaße für Scheitholz“ (15 B Ku 002)

    Technologie- und Förderzentrum (TFZ) StraubingPrimärquelleTabelliert die Umrechnung zwischen Festmeter, Raummeter und Schüttraummeter je Scheitlänge und Schichtung. Das sind die Faktoren, mit denen eine Brennholzlieferung überhaupt vergleichbar wird.Abruf: 29.08.2026

  • Angesetzte Nutzungsgrade und Bedarfsspannen

    HolzToolsAnnahmeNicht belegt. Die Nutzungsgrade je Gerätetyp und die Heizwärmebedarfs-Spannen je Gebäudestandard sind gerundete Erfahrungswerte, keine Messwerte. Für das eigene Gerät gilt das Typenschild, für das eigene Haus der Energieausweis.Abruf: 29.08.2026